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Warum dein Pferd keine Rückenmuskulatur aufbaut - und wie du das Problem lösen kannst

  • 26. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit


Du reitest fleißig, longierst regelmäßig, machst Bodenarbeit. Und trotzdem: Dein Pferd baut partout keine Rückenmuskulatur auf. Der Widerrist sticht hervor, hinter den Schulterblättern ist eine Delle, die Lendenwirbel zeichnen sich ab. Du fragst dich: Was mache ich falsch?


Die Antwort hat wenig damit zu tun, wie oft du im Sattel sitzt.


Das Wichtigste in Kürze:

  • Dein Pferd trainiert möglicherweise die falschen Muskeln und baut dabei Verspannung statt Kraft auf.

  • Die Rückenmuskulatur kann nur stärker werden, wenn die tiefen Tragemuskeln ihre Arbeit machen.

  • Schmerzen und Blockaden müssen zuerst behandelt werden, danach erst hat Training Sinn.


Das Problem: Dein Pferd baut einfach keine Rückenmuskulatur auf

Hast du dein Pferd schon mal ohne Sattel von der Seite betrachtet und gedacht: Da fehlt einfach was? Dieses Gefühl täuscht nicht. Ein Rücken, der keine Muskeln aufbaut, sendet ein klares Signal. Man muss nur wissen, wie man es liest.


Viele Reiter reagieren darauf mit mehr Training, und wundern sich, warum sich trotzdem nichts verändert. Manchmal wird es sogar schlechter.


Der Grund dafür liegt tiefer, nämlich in der Frage, welche Muskeln beim Training eigentlich arbeiten. Und genau das ist der Punkt, an dem die meisten Trainingspläne ansetzen, ohne vorher zu verstehen, was der Pferdekörper wirklich braucht.



Die Ursache: Es geht gar nicht um die Rückenmuskulatur

Um zu verstehen, warum die Rückenmuskulatur nicht aufgebaut wird, lohnt ein kurzer Blick auf die Anatomie. Aus biomechanischer Sicht arbeiten beim Tragen und Bewegen drei funktionelle Muskelgruppen zusammen. Nur wenn alle drei ihre Aufgabe erfüllen, kann die Rückenmuskulatur stärker werden.


Die Bewegungsmuskeln:

Die Bewegungsmuskeln sind die, die man auf den ersten Blick sieht: die langen Muskelstränge rechts und links der Wirbelsäule, die Halsmuskulatur, die Kruppenmuskulatur. Ihre Aufgabe ist die Fortbewegung. Sie strecken die Wirbelsäule, schwingen mit den Hinterbeinen und ermöglichen den freien Rückenschwung.

Was viele nicht wissen: Diese Muskeln sind keine Tragemuskeln. Wenn das Pferd einen Reiter trägt, ist das nicht ihre Aufgabe. Werden sie trotzdem dauerhaft als Tragemuskeln eingesetzt, weil die eigentlichen Tragemuskeln zu schwach sind, dann verspannen sie. Ein verspannter Muskel wächst nicht. Er verhärtet, wird schmerzhaft und atrophiert sogar eher.


Die Tragemuskeln:

Die eigentlichen Tragemuskeln liegen tiefer und sind von außen kaum sichtbar. Dazu gehören die gerade Bauchmuskulatur, die seitlichen Bauchmuskeln und besonders der Rumpfträger, der den Brustkorb zwischen den Schulterblättern aufhängt. Gemeinsam stützen sie den Rücken von unten und sind die Voraussetzung dafür, dass er sich überhaupt aufwölben kann.

Wenn diese Muskeln stark genug sind, kann das Pferd den Rücken aktiv heben. Der Rücken schwingt, die Hinterhand tritt unter, das Pferd trägt sich selbst und den Reiter. Wenn sie zu schwach sind, hängt der Rumpf durch und die Bewegungsmuskeln springen als Notlösung ein. Das ist der Beginn eines Teufelskreises.


Die stabilisierende Tiefenmuskulatur:

Die dritte Gruppe sind die kleinen, tiefen Muskeln entlang der Wirbelsäule, die für Stabilität und Körperwahrnehmung zuständig sind. Sie arbeiten im Hintergrund, sind in klassischem Training kaum gezielt ansprechbar, reagieren aber sehr gut auf instabile Untergründe, Geländearbeit und abwechslungsreiche Bewegungsreize.


Genau der Bereich der Rückenmuskulatur, der schwach und flach aussieht, ist oft der, der am härtesten arbeitet, als Kompensation für fehlende Kraft in den Trage- und Tiefenmuskeln. Mehr Training auf diesem Wege bedeutet: mehr Verspannung, kein Wachstum.



Typische Probleme bei schwacher Rückenmuskulatur

Wenn das Muster aus zu schwachen Tragemuskeln und überforderten Bewegungsmuskeln anhält, zeigen sich früher oder später konkrete Probleme, im Training, im Verhalten und langfristig an der Gesundheit des Pferdes.


Rittigkeitsprobleme als erstes Zeichen

Ein Pferd, das seinen Rücken festhalten muss, kann gar nicht korrekt durch den Rücken schwingen. Die typischen Zeichen: Rücken wegdrücken beim Aufsitzen oder Angurten, Buckeln ohne erkennbaren Grund, schlechte Durchlässigkeit, Taktunreinheiten im Trab, Schwierigkeiten beim Galoppieren oder Handwechseln.


Muskelabbau statt Aufbau

Solange die Bewegungsmuskeln dauerhaft als Tragemuskeln eingesetzt werden, können sie sich nicht rhythmisch dehnen und anspannen und deshalb auch nicht wachsen. Das Ergebnis ist keine schwache, sondern eine dauerhaft angespannte Rückenmuskulatur, die sich von außen sogar hart anfühlen kann, aber keinerlei Tragkraft hat.


Langfristige Folgeschäden

Ein Rücken, der dauerhaft absinkt, bringt die Dornfortsätze der Wirbel näher zusammen. Das erhöht das Risiko für Kissing Spines, arthrotische Veränderungen und chronische Rückenschmerzen. Gleichzeitig verlagert sich durch die fehlende Rumpfstabilität die Belastung auf die Gliedmaßen. Sehnen und Bänder werden chronisch überlastet, obwohl das eigentliche Problem im Rücken sitzt. Was als schwache Rückenmuskulatur beginnt, kann ohne Intervention also weit über den Rücken hinaus Schäden verursachen.


Wichtig aus physiotherapeutischer Sicht: Sobald Schmerzen oder Blockaden im Spiel sind, macht mehr Training das Problem nicht besser, es verschlimmert die Kompensationsmuster. Der erste Schritt ist dann immer eine Untersuchung, keine neue Trainingseinheit.



Die Lösung: Wie du die Rückenmuskulatur deines Pferdes wirklich aufbaust

Jetzt zum entscheidenden Teil: Was funktioniert wirklich, und in welcher Reihenfolge?


Schritt 1: Erst lösen, dann aufbauen

Verspannte Muskeln brauchen zuerst Entspannung, bevor sie wachsen können.

Das bedeutet konkret: Wenn dein Pferd bereits Schmerzen oder Blockaden zeigt, ist eine physiotherapeutische oder tierärztliche Behandlung der notwendige erste Schritt. Danach, und erst dann, beginnt der gezielte Aufbau.


In jeder Trainingseinheit gilt dasselbe Prinzip im Kleinen: ausreichend Schritt- und Dehnungsarbeit zu Beginn, Vorwärts-abwärts als Pflichtprogramm. Das Pferd dehnt dabei die gesamte Oberlinie und entlastet die Bewegungsmuskeln. Das ist die Voraussetzung dafür, dass im nächsten Schritt die richtigen Muskeln angesprochen werden können.


Schritt 2: Die Tragemuskeln gezielt ansprechen

Wer die Rückenmuskulatur aufbauen will, muss die Bauchmuskulatur trainieren. Das klingt ungewohnt, ist aber das Kernprinzip einer physiotherapeutisch fundierten Trainingsarbeit.


Konkrete Methoden, die funktionieren:


  • Jeder Übergang ist ein kurzes Bauchmuskeltraining. Fünf Minuten gezielte Übergangsarbeit aktivieren die Tragemuskeln mehr als dreißig Minuten Dauertrab.

  • Rückwärtsrichten: Aktiviert die Bauchmuskeln direkt und regt eine leichte Beckenkippung an. Einfach, überall umsetzbar und von vielen Reitern unterschätzt.

  • Galopparbeit: Aus physiotherapeutischer Sicht eine der wertvollsten Gangarten für den Muskelaufbau. Der Galopp aktiviert die Rumpfmuskulatur intensiver als jede andere Gangart, wird aber im Freizeitbereich oft zu wenig genutzt.

  • Cavaletti und Stangenarbeit: Das Pferd muss die Beine aktiver anheben und mehr unter den Schwerpunkt fußen. Die gesamte Rückenmuskulatur wölbt sich dabei automatisch auf.


Schritt 3: Tiefenmuskulatur über Abwechslung stärken

Die stabilisierenden Tiefenmuskeln lassen sich am besten über Reize ansprechen, die das Gleichgewicht herausfordern. Geländearbeit bergauf und bergab, wechselnde Böden, instabile Untergründe wie Balance Pads, all das bringt die tiefen Muskeln dazu, aktiv zu reagieren und zu wachsen.


Das ist auch der Grund, warum Pferde, die viel im Gelände bewegt werden, oft eine deutlich bessere Rückenmuskulatur zeigen als reine Hallenpferde mit demselben Trainingsumfang.


Schritt 4: Zeit lassen

Muskeln passen sich in Wochen an. Sehnen und Bänder brauchen Monate bis Jahre. Wer zu schnell aufbaut, riskiert, dass die wachsenden Muskeln an noch nicht angepassten Strukturen zerren. Drei gezielte Trainingseinheiten pro Woche sind für die meisten Freizeitpferde sinnvoller als tägliches Training ohne Struktur.


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Was du jetzt konkret tun kannst

Wenn die Rückenmuskulatur deines Pferdes trotz regelmäßigem Training nicht wächst, lohnt es sich, drei Dinge zu überprüfen:


  1. Lass dein Pferd physiotherapeutisch oder tierärztlich untersuchen, bevor du das Training intensivierst. Ein Pferd, das sich schützt, wird keinen Muskel aufbauen, egal wie gut dein Trainingsplan ist.


  2. Trainierst du wirklich die Tragemuskeln? Oder besteht deine Trainingsroutine hauptsächlich aus Dauertrab? Übergänge, Galopparbeit und gezielte Bodenarbeit sind effektiver als Stunden im Arbeitstrab.


  3. Passt der Sattel? Ein schlecht sitzender Sattel verursacht Druckspitzen, die das Pferd dazu bringen, den Rücken wegzudrücken und damit genau die Muskeln zu sperren, die du aufbauen möchtest.


Die gute Nachricht: Eine schwache Rückenmuskulatur ist in den meisten Fällen nicht das Ende. Mit dem richtigen Ansatz — erst lösen, dann gezielt aufbauen — können viele Pferde sich sichtbar verändern. Es braucht nur Zeit, Geduld und das richtige Wissen darüber, was im Körper deines Pferdes wirklich passiert.

 
 
 

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