Pferdetraining im Winter: So kommst du fit durch die kalte Jahreszeit
- Lisa Winkler
- 1. Jan. 2026
- 4 Min. Lesezeit
Der Winter ist jedes Jahr derselbe Wendepunkt: Plötzlich wirkt das Pferd steifer, der Rücken empfindlicher, alte Baustellen melden sich zurück.
Als Pferdephysiotherapeutin sehe ich genau in dieser Jahreszeit eine deutliche Häufung an Behandlungen: mehr Muskelverspannungen, mehr Rückenprobleme, mehr Arthrose-Schübe und leider auch mehr Verletzungen. Das liegt nicht daran, dass die äußeren Bedingungen den Körper massiv beeinflussen – oft stärker, als vielen bewusst ist.
Pferdetraining im Winter erfordert deshalb kein Durchhalten oder Härte, sondern Anpassung, Umsicht und ein gutes Verständnis dafür, was Kälte, Bodenverhältnisse und eingeschränkte Bewegung im Körper deines Pferdes tatsächlich auslösen.
Warum du das Pferdetraining im Winter anpassen musst
Bevor wir über das Training sprechen, müssen wir verstehen, welche äußeren Faktoren den Körper deines Pferdes jetzt im Winter massiv beeinflussen:
Die Bodenverhältnisse:
Außenplätze mit schlechtem Wasserabfluss sind im Winter oft nass und schlammig oder gefroren und hart. Beides bietet ein Verletzungsrisiko sowohl für dich als auch für dein Pferd.
Temperatur:
Kälte verengt die Gefäße. Die Muskulatur wird schlechter durchblutet und die Gelenkflüssigkeit (Synovia) ist zähflüssiger, was Aufwärmphasen deutliche verlängert und Muskelverspannungen begünstigt. Außerdem werden die Pferde oft explosiver, je kälter es ist.
Eingeschränkter Auslauf:
In vielen Haltungsformen haben die Pferde im Winter oft deutlich weniger Auslauf und Bewegung als im Sommer. Auch das führt zu mehr überschüssiger Energie sowie weniger gut durchblutetem Gewebe.
Welche Probleme jetzt auftreten
Als Pferdebesitzer wirst du im Winter besonders diese Probleme bemerken:
Muskelverspannungen: Durch Kälte und „Festmachen“ bei Rutschgefahr entstehen Verspannungen, die teils schmerzhaft sind und Bewegung einschränken
Arthrose-Schübe: Die zähe Gelenkschmiere und Kälte lassen arthrotische Gelenke schneller entzünden bei Pferden, die unter Arthrose leiden.
Kolikgefahr: Weniger Bewegung gepaart mit geringerer Wasseraufnahme (zu kaltes Wasser) ist ein Risiko für Verstopfungskoliken.
Verletzungsgefahr: Rennen und Bocken auf gefrorenem oder rutschigen Boden ist sehr gefährlich für Gelenke und Sehnen
Hufprobleme: Strahlfäule oder Mauke kommen bei viel Nässe häufiger vor und führen ebenfalls zu Lahmheiten
Die Lösungen: So trainierst du sicher
Wie reagieren wir darauf? Hier sind die wichtigsten Stellschrauben für dein Winter-Management:
Gründlich aufwärmen
Bei Kälte solltest du mindestens 15 Minuten, besser 20-25 Minuten aktive Schrittphase vor der Arbeitsphase haben. Nutze dabei Tempowechsel, Halten und Rückwärtsrichten sowie Zirkel und große Volten um sanft aber effektiv aufzuwärmen. Das gilt nicht nur für das Reiten, sondern auch für die Bodenarbeit. Wenn dein Pferd an der Longe direkt losspringt im Winter, führe unbedingt an der Hand um bessere Kontrolle zu haben.
Durch die niedrigen Temperaturen ist die Durchblutung in allen Geweben schlechter und auch die Gelenke benötigen länger, bis die Gelenkflüssigkeit die korrekte Konsistenz erreicht hat.
Besonders Arthrose-Patienten brauchen im Winter sehr viel länger.
Gefährliche Böden meiden
Pass dein Training unbedingt an die Bodenverhältnisse an. Bewegung ist zwar wichtig, aber riskieren nicht dass du oder dein Pferd sich verletzen.
Gefrorene Böden bieten keinerlei Federung und sind unglaublich hart zu den Gelenken. Also bitte lass dein Pferd nicht auf gefrorenem Boden frei laufen, und gehe nur kontrolliert Schritt.
Auch zu nasse Reitplätze oder auch Geländestrecken haben ein hohes Risiko fürs Ausrutschen, was zu Muskelzerrungen bis hin zu schweren Sehnenverletzungen und Stürzen führen kann.
Sei ebenfalls sehr vorsichtig auf Asphalt oder Pflaster, denn plattgefahrener Schnee und Eis sind gerade für beschlagene Pferde ein großes Risiko, da sie mit normalen Eisen keinerlei Grip haben.
Hier empfiehlt sich, für die Wintermonate den Hufbeschlag eventuell anzupassen.
Ausreichend Bewegung
Um sowohl Kolikrisiko als auch explosives Verhalten im Winter zu reduzieren, ist regelmäßige Bewegung sehr wichtig. Das hält nicht nur Verdauung und Bewegungsapparat gesund, sondern reduziert außerdem Stress bei deinem Pferd.
Bei Rentnern und Arthrose-Pferden ist tägliche leichte Bewegung super wichtig, damit die Gelenke ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden.
Fütterung anpassen
Viele Pferde trinken im Winter sehr viel weniger, da das kalte Wasser ihnen oft unangenehm ist.
Du kannst hier zum Beispiel ein sehr faserhaltiges Mash oder Heucobs in warmen Wasser einweichen, um einen warmen Brei zu erhalten.
Achte hier unbedingt darauf, dass es nicht zu heiß ist wenn du es fütterst.
Außerdem sollte natürlich immer ausreichend Heu zur Verfügung stehen.
Stallhygiene und Putzroutine
Um Strahlfäule zu vermeiden, sollte dein Pferd nicht zu lange auf nassen Paddocks oder nassem Stroh stehen. Achte hier vermehrt auf die Hygiene durch gutes ausmisten und das Abäppeln der Paddocks.
Auch Mauke entsteht oft besonders bei Pferden mit Behang, da es dort oft dauerhaft feucht ist.
Schere den Behang wenn nötig ab und wasche und desinfiziere die betroffenen Stellen gut. Pflege sie anschließend mit einem feuchtigkeitsspendendem Gel oder einer leichten Creme.
Mein Tipp: Meersalz-Seife und anschließend Aloe Vera Gel

Mein Fazit
Der Winter ist keine Trainingspause – aber er ist auch keine Zeit für Automatismen. Wer im Winter genauso trainiert wie im Sommer, riskiert ungewollt Verspannungen, Überlastungen und Verletzungen. Wenn du hingegen Bodenqualität, Temperatur, Bewegungsumfang und Tagesform deines Pferdes bewusst mit einbeziehst, kannst du diese Jahreszeit sogar nutzen, um die Basis für einen gesunden, tragfähigen Bewegungsapparat zu legen.
Solltest du unsicher sein, wie du dein Pferd im Winter sinnvoll bewegen kannst, oder merkst du bereits Anzeichen wie Steifheit, Rückenempfindlichkeit oder vermehrte Spannung, dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Sehr gern bin ich dir hierbei behilflich! Also melde dich sehr gern bei mir, falls du Fragen hast oder Beratung möchtest.



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